Büchermarkt/„Kiloverkauf“
jeden Sommer in der Stadtbibliothek Dinslaken

von | Wiederkehrende Projekte

Größter Büchermarkt am Niederrhein – „Kiloverkauf“ des Freundeskreises Dinslaken

Der „Freundeskreis Stadtbibliothek und Stadtarchiv Dinslaken“ wurde am 26.11.2002 gegründet. Der begrenzte Kreis der ersten Gründungsmitglieder und der durchaus bescheidene Jahresmitgliedsbeitrag ließen daher aus diesen Mitgliedsbeiträgen kaum eigenständige Fördermaßnahmen zu.

Darum verlegte sich der Freundeskreis anfangs vor allem darauf, Spenden und Fördermaßnahmen von Institutionen wie Sparkasse, Banken oder den Stadtwerken, aber auch von Privatpersonen einzuwerben.

Das gelang bereits für das erste „vollständige“ Arbeitsjahr 2003 schon beachtlich. Doch der Wunsch nach und das Interesse an einem eigenständigen Einnahmeposten waren verständlich – und naheliegend war dabei die Veranstaltung eines Büchermarktes.

Die Idee dazu stammt nicht aus Dinslaken, sondern ergab sich schon längst davor für entsprechende Fördervereine aus einer Eigenart der Bücherverwaltung an den öffentlichen Bibliotheken. Denn dort werden Bücher nach einer bestimmten Zahl der Ausleihen ausgesondert.

Teils geschieht das aus Hygienegründen, aber teils ist diese Maßnahme auch ein Garant dafür, dass die Bibliotheken nicht auf uralten Bücherbeständen sitzen, die kein Nutzer mehr ausleihen will, sondern ein ständiger Prozess der Modernisierung der Bücherbestände stattfindet.

Doch die aussortierten Bücher sind zumindest teilweise in einem recht passablen Zustand. Darum liegt die Idee nahe, sie Interessenten für einen kleinen Preis anzubieten, statt sie sogleich vom Altpapier-Verwerter abholen zu lassen.

Sommerleseclub 2021 - Plakat

Das Plakat des Büchermarkts 2016

Sommerleseclub 2020 - Abgabe der Logbücher - fotografiert von Monika Mertens

Das Plakat mit den Terminen der Bücherspendenannahme

Auf Anraten des damaligen Leiters der Stadtbibliothek Dinslaken, Jens Hundrieser, fuhr ich also zum Vorsitzenden des Gelsenkirchener Freundeskreises, um mich über einen solchen Büchermarkt zu informieren.

Die Erfahrungen der Gelsenkirchener passten wir dann auf die Dinslakener Umstände an. Und diese hießen: Großer Bibliothekstag am Freitag, 04. Juni 2004!

An diesem Tag hat sich der Freundeskreis an der Finanzierung einer Jugendtheateraufführung ebenso beteiligt wie auch an der musikalischen Begleitung.

Doch im Mittelpunkt stand der erste vom Freundeskreis organisierte Büchermarkt im Foyer der Stadtbibliothek.

Zu dem Bestand an ausgemusterten Büchern hatten wir per Presseaufruf noch um private Bücherspenden gebeten.

Und der Eingängigkeit halber hatten wir für einen Kilo Bücher den Preis von 1 € eingeführt!

Die Nachfrage am Kiloverkauf der Bücher übertraf dann alle positiven Vorausahnungen und „zwang“ die Bibliothek sogar dazu, auch am Samstag noch aus dem Restbestand der Bücher Interessenten zu bedienen.

Dieser Verlauf machte uns Mut, auch im Jahr 2005 einen Kiloverkauf zu organisieren, sogar über zwei Tage am Freitag und Samstag.

Wie erwähnt fand der Erste Verkauf, und dann noch weitere 14 Büchermärkte, im Foyer der Stadtbibliothek statt. Dazu mussten die Mitarbeiter der Bibliothek die dort befindlichen Bücherregale ausräumen und deren Bestand zwischenlagern.

Die nun leeren Bücherregale wurden dann mit der „Kiloware“ aufgefüllt. Schon bei diesem ersten Mal war die Menge der im Vorrat stehenden Bücher größer als eine Ladung der Bücherregale.

Kiloverkauf - Büchermarkt 2013 - fotografiert von Adolf Kraßnigg

Büchermarkt/„Kiloverkauf“ im Jahre 2013

Kiloverkauf - Büchermarkt 2014 - fotografiert von Adolf Kraßnigg

Büchermarkt/„Kiloverkauf“ im Jahre 2014

Darum wurden und werden während des Verkaufs die „Verkaufslücken“ in den Regalen ständig aufgefüllt.

Am Ende des Verkaufs werden alle übrig gebliebenen Bücher sowohl an Interessenten in sozialen Netzen, Caritas, Kitas usw. und der Altpapierverwertung zugeführt.

Der Erfolg des Büchermarkts bemisst sich an den verkauften Kilos. Schon 2006, beim dritten Markt, kratzten wir an der 2 Tonnen-Marke.

Danach pendelten sich die Verkäufe bis 2015 zwischen knapp über und knapp unter dieser Marke ein.

Doch im Jahr 2016 kamen wir unserer vermeintlichen „Schallmauer“ von 2,5 Tonnen verkauften Büchern ganz nahe.

Und gleichzeitig merkten wir, wie sich die privaten Bücherspenden deutlich erhöhten.

Und die gespendete Ware wurde immer qualitätsvoller!

Denn offenkundig begannen wir vom kommerziellen Büchermarkt zu profitieren. Dort boomten vor allem die Bestseller, weil diese wegen der Taschenbuch nahen Bindung recht preiswert zu haben waren.

Und die frisch gelesenen Bücher landeten dann oft noch in einem ausgezeichneten Zustand bei uns!

Was in dem Jahr 2016 bis 2017 geschehen ist, bleibt uns bis heute schleierhaft. Denn nicht nur die Bücherspenden für den Kiloverkauf 2017 wurden zu Flut!

Waren es 8 Tonnen, waren es 10 Tonnen oder gar 15 Tonnen der Bücher, die sich nun im Foyer der Stadtbibliothek stapelten?

Und was war der Grund dafür, dass der Verkauf an die 5 Tonnen sprang, sich also gegenüber 2016 glatt verdoppelte?

Kiloverkauf - Büchermarkt 2015 - fotografiert von Georg Neumayr - Bild 2 von 2

Büchermarkt/„Kiloverkauf“ im Jahre 2015

Kiloverkauf - Büchermarkt 2017 - fotografiert von Silke Burkhardt Bild 4 von 5

Büchermarkt/„Kiloverkauf“ im Jahre 2017

Edith Mendel, die Leiterin der Stadtbibliothek, hat eine Erklärung parat: Die Dinslakener stehen Neuheiten grundsätzlich zunächst reserviert gegenüber und warten ab, was sich so entwickelt. „Erst fang’ sie ganz langsam an, aber dann, aber dann…“, um hier ein Lied der „Gebrüder Blattschuss“ persiflierend anzuwenden.

Wir haben aber noch zwei weitere Erklärungen!

Zum einen hat sich der Dinslakener Büchermarkt weit in der Umgebung herumgesprochen. Er wurde zunehmend interessant auch für Bürger aus den Nachbarstädten, zum einen für die Abgabe eigener Bücher, zum anderen aber für den günstigen Einkauf erstklassig erhaltener und noch sehr aktueller Bücher.

Zum anderen aber kann dieser drastische Erfolg auch mit einem Namen verbunden werden: Denis Will!

Denis brachte uns das Denken in Qualitätskategorien bei. Bei der Annahme der Bücher bereits, aber auch beim Einräumen in die Regale, auch schon während des Verkaufs, holte er mit unserer Helferschar wenig gut erhaltene Bücher „gnadenlos“ heraus und ersetzte sie durch Bücher im Erhaltungszustand „sehr gut“ oder „gut mit Sternchen“.

Unter den Bücherfreunden sprach sich bald herum, dass selbst bis zum Ende der Verkaufszeit noch erstklassige Buchbestände zur Auswahl bereit standen.

Der Andrang auf die Verkaufsstände wurde so groß, dass es im Foyer kaum noch auszuhalten war. Der Rekord des Büchermarkts liegt bei 5,8 Tonnen!

Diese Entwicklung des Büchermarkts zwang uns dazu, den Kiloverkauf 2019 ins Dachstudio zu verlegen.

Dazu mussten wir die gespendeten Bücher, mindestens 12 Tonnen, wahrscheinlich mehr, aus dem Foyer ins Dachstudio transportieren.

Diese Herkulesaufgabe meisterten die Mitglieder des Freundeskreises in genau 3 Stunden!

Im Dachstudio hatten nun also die Bücherfreunde, aber auch die Helfer Platz und Zeit, sich die Bücherangebote in Ruhe auszusuchen.

Und die Helfer konnten zum Auffüllen der Verkaufstische einfach unter die Tische greifen und sich aus den Kartons bedienen.

Und ein kleines Café am Eingang  mit Kaffee, Kuchen und Kaffeehausmusik schaffte sogar eine ganz gemütliche Atmosphäre!

Für 2019 haben wir den Kilopreis auf 1,50 € erhöht, nach 15 Jahren stabilem Preis.

Kiloverkauf - Büchermarkt 2019 im Dachstudio - Bild 1 von 2

Büchermarkt/„Kiloverkauf“ im Jahre 2019 im Dachstudio – Bild 1

Kiloverkauf - Büchermarkt 2019 im Dachstudio - Bild 2 von 2

Büchermarkt/„Kiloverkauf“ im Jahre 2019 im Dachstudio – Bild 2

Dieser Umzug ins Dachstudio und die Preiserhöhung waren uns als Risiken bewusst. Doch sind wir belohnt worden.

Zwar gingen die verkauften Tonnen zurück, wohl auch, weil die Bücherfreunde noch Bedenken wegen des Abtransports ihrer Ware über die Lifte hatten.

Doch wir hoffen, dass auch nach 2 Jahren der „Coronapause“ der Büchermarkt im Dachstudio zu alter Größe heranreift.

Die Einnahmen aus dem Büchermerkt kommen bis zum letzten Cent der Bücherei zugute.

Dafür waren die Mitarbeiter auch bereit, die Arbeit zum Aus- und wieder Einräumen der Regale auf sich zu nehmen – und die zunehmend drangvolle Enge im Foyer.

Die Stadtbibliothek darf auch, so ein Vorstandsbeschluss aus dem Jahr 2004, ohne unsere Zustimmung aussuchen, was sie mit dem Geld anschaffen will.

Es wurden etliche attraktive Anschaffungen getätigt und der Freundeskreis für die Stadtbibliothek zur „Kirsche auf der Sahne plus ein gehöriges Stück Sahne dazu“, so Edith Mendel!

Impressionen der Bücherannahme und des Büchermarkts/„Kiloverkaufs“ über die Jahre

Kiloverkauf - Bücherannahme 2016 - fotografiert von Adolf Kraßnigg

Bücherannahme 2016

Kiloverkauf - Bücherannahme 2017 - fotografiert von Silke Burkhardt Bild 2 von 4

Bücherannahme 2017

Kiloverkauf - Alte Kasse von Frisör Katerberg 2016 - fotografiert von Adolf Kraßnigg

Büchermarkt – Alte Kasse von Frisör Katerberg 2016

Kiloverkauf - Büchermarkt 2017 - fotografiert von Silke Burkhardt Bild 2 von 5

Büchermarkt/„Kiloverkauf“ 2017

Kiloverkauf - Bücherannahme 2017 - fotografiert von Silke Burkhardt Bild 1 von 4

Bücherannahme 2017

Kiloverkauf - Bücherannahme 2017 - fotografiert von Silke Burkhardt Bild 4 von 4

Bücherannahme 2017

Kiloverkauf - Bücherannahme 2018 - fotografiert von Adolf Kraßnigg

Bücherannahme 2018

Kiloverkauf - Büchermarkt 2014

Büchermarkt/„Kiloverkauf“ 2014

Kiloverkauf - Büchermarkt 2017 - fotografiert von Silke Burkhardt Bild 1 von 5

Büchermarkt/„Kiloverkauf“ 2017

Kiloverkauf - Bücherannahme 2017 - fotografiert von Silke Burkhardt Bild 3 von 4

Bücherannahme 2017

Kiloverkauf - Büchermarkt 2017 - fotografiert von Silke Burkhardt Bild 5 von 5

Büchermarkt 2017

Kiloverkauf - Büchermarkt 2015 - fotografiert von Georg Neumayr - Bild 1 von 2 (1)

Büchermarkt/„Kiloverkauf“ 2015

Kiloverkauf - Büchermarkt 2017 - fotografiert von Silke Burkhardt Bild 3 von 5

Büchermarkt/„Kiloverkauf“ 2017

Presseartikel

Presseartikel - NRZ - Mit Bücherverkauf auf Projekte Anstoßen - 28 August 2018
Presseartikel - Literatur gleich kiloweise im Angebot - RP - 14 Juni 2014
Presseartikel - Lesestoff satt zum Kilopreis - NRZ - 2 Juli 2018